Motorische Hauptbeanspruchungsformen


Die 5 motorischen Hauptbeanspruchungsformen sind Koordination, Beweglichkeit (Flexibilität), Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer.
Abhängig von der Disziplin sind in der Leichtathletik alle fünf mehr oder weniger wichtig.

Koordination

Koordinative Fähigkeiten

Je nach Quelle werden fünf bis sieben koordinative Fähigkeiten unterschieden. Diese werden selten bis nie einzeln gefordert. Vielmehr handelt es sich dabei um einen "sportart- bzw. disziplinspezifischen Fähigkeitenkomplex" 2.

  • Orientierungsfähigkeit
    Räumliche und zeitliche Wahrnehmung und Veränderung von Lage und Bewegung des Körpers.
  • Differentierungsfähigkeit
    Unterscheidung von Kraftraum und Zeitparametern innerhalb einer Bewegungshandlung
  • Gleichgewichtsfähigkeit
    Beibehalten oder Wiederherstellen von statischen oder dynamischen Gleichgewichtszuständen
  • Rhythmisierungsfähigkeit
    Wahrnehmung und Realisierung äußerer und innerer Rhythmen in einer Handlung.
  • Reaktionsfähigkeit
    Optimal schnelle Reaktion auf ein Signal mit einer sportartspezifischen Aktion.
  • Umstellungsfähigkeit
    Wahrgenommen oder antizipierte Situationständerungen von schon begonnenen Handlungsprogrammen
  • Kopplungsfähigkeit
    Koordination von Teilkörper- bzw. Einzelbewegungen bezüglich einer zielgerichteten Gesamtbewegung.

 2

Beweglichkeit (Flexibilität)

Kraft

Die Haupterscheinungsformen der Kraft beim Menschen sind statische und dynamische Kraft.

Schnelligkeit

Schnelligkeitsfähigkeiten

Reaktionsschnelligkeit / Reaktionszeit

"Unter Reaktionszeit wird diejenige Zeit verstanden, bis die vom Geben eines Signals bis zum Beginn einer willkürlichen Reaktion verstreicht." 1

Dabei wird nach Einzel- und Auswahlreaktion unterschieden.

Einzelreaktion

Bei der Einzelreaktion sind Signal und Reaktion festgelegt. Beispiel für die Einfachreaktion in der Leichtathletik ist der Startschuss beim Sprint (Signal) auf den hin der Athlet den Sprint beginnt (Reaktion). 

Auswahlreaktion

Bei der Auswahlreaktion können Signal und Reaktion variieren. Bzw. muss entsprechend der Situation eine passende Reaktion gewählt werden. 
Beispiel: Angriff- und Abwehrreaktion in Ballspielen, hier: Fußball

Zyklische Aktionsschnelligkeit

Bei der zyklische Aktionsschnelligkeit werden sich wiederholende Bewegungen mit höchster Geschwindigkeit gegen eher geringe Widerstände ausgeführt.

Diese Form der Schnelligkeit erfordert gute koordinative Fähigkeiten.

Beispiele

  • Kraulbewegung beim Schwimmen
  • Treten beim Radfahren
  • Laufen

Azyklische Aktionsschnelligkeit

Azyklische Aktionsschnelligkeit ist die möglichst schnelle Ausführung einer Einzelbewegung. In vielen Sportarten werden derartige Einzelbewegungen aneinandergereiht bzw. mit zyklischer Aktionsschnelligkeit vermischt.

Beispiele

  • Wurf
  • Schlag mit einen Schläger, z.B. beim Tennis

Schnelligkeitsausdauer

Schnelligkeitsausdauer bezeichnet die Widerstandsfähigkeit gegen Geschwindigkeitsabfall bei zyklischen Schnelligkeitsleistungen zwischen 7 Sekunden und 2 Minuten.
Das wird auch als Stehvermögen bei zyklischen Bewegungen bezeichnet. Hohe Geschwindigkeiten sollen über einen bestimmten Zeitraum gleich bleiben.

Beispiele

  • längere Sprintstrecken zwischen 100 und 800 Metern in der Leichtathletik
  • Schwimmstrecken von 100 bis 400 Metern Länge.

Ausdauer


Hauptbeanspruchungsformen in den Disziplinen der Leichtathletik 1

Kurzstrecken Laufen

Beanspruchungsform 100m 200m 400m 4*100 Staffel 4*400m Staffel
Koordination *** *** *** **** ***
Flexibilität ** ** ** ** **
Kraft
     Maximalkraft **** **** *** **** ***
     Reaktivkraft ***** ***** **** ***** ****
Schnelligkeit ***** ***** **** ***** ****
Ausdauer (allgem. dynamische)
     Anaerobe Ausdauer
          Kraftausdauer * ** *** * ***
          Schnelligkeitsausdauer *** **** ***** *** *****
     Aerobe Ausdauer ** *** **** ** ****

Hürden-Laufen

Beanspruchungsform 100m & 110m 400m
Koordination ***** ***
Flexibilität ***** (Männer)
*** (Frauen)
*** (Männer)
** (Frauen)
Kraft
     Maximalkraft **** ***
     Reaktivkraft ***** ****
Schnelligkeit ***** ****
Ausdauer (allgem. dynamische)
     Anaerobe Ausdauer
          Kraftausdauer ** ****
          Schnelligkeitsausdauer *** *****
     Aerobe Ausdauer ** ****

Langstrecken Laufen & Gehen

Beanspruchungsform 800m 1500m 3000m Hindernis 5000m, 10000m und Marathon
Koordination *** *** **** ***
Flexibilität * * *** (Männer)
** (Frauen)
*
Kraft
     Maximalkraft *** ** ** *
     Reaktivkraft *** *** *** **
Schnelligkeit *** ** ** *
Ausdauer (allgem. dynamische)
          Anaerobe Ausdauer
          Kraftausdauer *** ** *** *
          Schnelligkeitsausdauer **** ***** *** **
     Aerobe Ausdauer ***** ***** ***** *****

Quellen

  1. Strüder, H. K., Jonath, U. & Scholz, K. Leichtathletik: Trainings- und Bewegungswissenschaft - Theorie und Praxis aller Disziplinen. (Sportverlag Strauß, Hellenthal, 2017).
  2. Katzenbogner, H., Killing, W., Fröhlich, N., Ullrich, D. & Müller, F. Kinderleichtathletik: Altersklassen U8-U12: Rahmentrainingsplan des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. (Philippka Sportverlag, Münster, 2018)
  3. 1. Walker, B. Anatomie des Stretchings: Mit der richtigen Dehnung zu mehr Beweglichkeit. (Riva Verl, München, 2012).
  4. Pauls, J. Das große Buch vom Krafttraining. (Copress Sport, München, 2011).
  5. 1. Langendoen, J. Taping im Sport: Soforthilfe bei Schmerzen und Verletzungen. (TRIAS, Stuttgart, 2014).