Geschichte des kinesiologischen Tapings
Entwickelt wurde die Methode des kinesiologischen Tapings vom japanischen Chiropraktiker Dr. Kenzo Kase. Er sah die Bewegung und die Aktivität der Muskulatur als entscheidend für die Gesundheit des menschlichen Körpers an. Daher war er auf der Suche nach einer den Heilungsprozess förderndenden Methode, die aber die Beweglichkeit des Patienten nicht einschränkt.
Dazu entwickelte Kase ein elastisches Tape, das er auf spezielle Weise auf die Haut auftrug, um die Muskel- und Gelenkfunktionen zu unterstützen und dadurch den Heilungsprozess zu beschleunigen.
In den 1980er Jahren begann Kase dann, seine Methode international zu verbreiten und stieß damit auf auf positive Resonanz.
Die Tapes
Material
Die kinesiologischen Tapes bestehen aus Baumwolle und sind in wellenförmigem Muster mit gut hautverträglichem Acrylkleber beschichtet. Diese Wellen dienen der Luft- und Flüssigkeitszirkulation und kommen daher dem Tragekomfort zugute. Außerdem verhindern sie durch die Atmungsaktiviträt Hautirritationen.
Der Kleber ist sehr gut auf Haut haftend, wodurch er trotz Sport, Duschen, Schwitzen und sogar Schwimmen bis zu 7 Tage halten kann.
Elastizität
In Längsrichtung lässt sich kinesiologisches Tape, je nach Hersteller, bis zu ca. 170% seiner ursprünglichen Länge dehnen. Diese Dehnbarkeit ermöglicht es dem Tape, die natürlichen Bewegungen des Körpers zu unterstützen, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken.
In Querrichtung dagegen lässt sich das Tape kaum dehnen. Zusätzlich ist es sehr reißfest.
Farben
Die Wahl der Farben hat keine belegbaren Auswirkungen auf den therapeutischen Effekt. Deren Auswahl kann daher hauptsächlich ästhetischen und persönlichen Vorlieben des Athleten entsprechen.
Haltbarkeit
Wie bereits erwähnt kann ein kinesiologisches Tape bis zu 7 Tage halten. Seine Haltbarkeit wird dabei vor allem durch folgende Faktoren beeinflusst:
- Art und Ort der Anlage
- Intensität der Bewegung
- Häufigkeit des Duschens
- Individuelle Faktoren des Athleten (Behaarung, Stärke der Transpiration etc.)
Anlage eines kinesiologischen Tapes
Die Basis eines Tapes ist der Anfangspunkt jeder Anlage. Sie wird immer ohne Zug angelegt. Sie sollte etwa 3-5 cm lang sein und immer auf saubere, fettfreie und trockene Haut aufgebracht werden.
Die Basen am Beispiel eines Y-Tapes:
Die Schenkel werden, je nach Technik und Zweck der Anlage auf verschieden Weisen aufgebracht. Siehe dazu weiter unten.
Bei starker Körperbehaarung erhöht eine Stutzung der Haare diee Haltbarkeit des Tapes deutlich.
Tape-Arten
Die gängigsten Schnittmuster sind:
- I-Tape
- X-Tape
- Y-Tape
- Fächer-Tape
- Cross Patch
Vorbereitungen zur Tape-Anlage
Vor der Anlage eines Tapes muss das Hautareal sauber und fettfrei sein. Dies beinhaltet auch die Abwesenheit von Cremes/Lotionen/Ölen. Stark behaarte Areale sollten zugunsten der Haltbarkeit mit einem Haartrimmer "behandelt" werden. Auf eine Rasur sollte (zumindest unmittelbar vor der Anlage) verzichtet werden, da diese das Auftreten von Hautirritationen begünstigt.
Einsatzbereiche kinesiologischer Tapes (Indikationen)
Kinesiologisches Taping ist eine ergänzende Therapiemethode. Sie ersetzt in keinem Fall eine schulmedizinische Behandlung. Sie wirkt unterstützend, nicht heilend.
- Unterstützung bei Störungen des Bewegungsapparates
- Muskelaktivierung und -kontrolle und dadurch Leistungsverbesserung
- Stabilisierung und dadurch Verletzungsprävention
- Unterstützung und Anregung des Lymphtransportes
- Reduktion von Muskelverspannungen, Stressreaktionen oder unzureichender Durchblutung
- Schmerzreduktion durch Reduktion der Belastung auf Gewebe Förderung der Durchblutung und Stimulation propriozeptiver Rezeptoren
- Verbesserung von Narben
- Rehabilitation nach Verletzungen und Unterstützung des Heilungsprozesses
- Haltungskorrektur
- Reduktion von Muskelermüdung und -kater
Wann auf kinesiologische Tapes verzichtet werden sollte (Kontraindikationen)
Unter Umständen ist ein Taping bei folgenden Kontraindikationen möglich. Auf jeden Fall sollte aber zuvor ein Arzt zu Rate gezogen werden. Im Zweifelsfall ist auf die Anlage von Tapes zu verzichten.
- Ungeklärte Beschwerden
- Offene Wunden
- Dünne, sehr schlaffe oder empfindliche Haut
- Hauterkrankungen
- Ödeme bei Herzproblemen
- Schwangerschaft (gilt für Tapes im Bauchbereich)
- Gerinnungsstörungen oder blutverdünnende Medikamente
Wann auf kinesiologische Tapes verzichtet werden muss (Absolute Kontraindikationen)
- Fieber unklarer Herkunft
- Tiefe Venenthrombosen
- Krampfadern
- Tumore
- Allergie gegen Acryl
Vermutliche Wirkungsweisen des Tapings
Die Wirkung kinesiologischen Tapings ist mittlerweile recht glaubwürdig durch Studien belegt. Nicht so aber dessen Wirkmechanismus.
Daher sind die hier gemachten Angaben als Theorien anzusehen.
Schmerzreduktion
- Gate-Control: Die Reize, die das Tape auf der Haut auslöst, überlagern bzw. schwächen die Schmerzreize ab.
- Durchblutungssteigerung: Das Tape hebt die Haut an und verbessert dadurch die Durchblutung der darunterliegenden Gewebeschichten.
Die verbesserte Durchblutung führt zu Druckentlastung und beschleunigtem Abbau von schmerzauslösenden Enzymen und Hormonen.
Wirkung auf die Muskulatur
- Propriozeptive Stimulation: Durch die Stimulation der Hautrezeptoren trägt das Taping dazu bei, das sensorische Feedback zu verstärken und die propriozeptiven Signale zu optimieren. Dies führt zu einer verbesserten Bewegungskontrolle und Koordination.
- Entlastung und Unterstützung: Das Taping trägt dazu bei, Muskelpartien zu entlasten und zu unterstützen. Das verbessert die muskuläre Funktion und beugt Überlastungen oder Verletzungen vor.
- Muskuläre Dysbalancen: Das Taping entspannt überaktive Muskeln und aktiviert unteraktive Muskeln. Das fördert die korrekte Ausrichtung und Wirkung der Muskulatur und wirkt dadurch Dysbalancen entgegen.
- Durchblutungsförderung: Die verbesserte Durchblutung fördert den Abbau von beschädigtem und unterstützt den Aufbau von gesundem Gewebe.
Wirkung auf das Lymphsystem
- Anregung der Lymphzirkulation und des Abtransport von Lymphflüssigkeit: dadurch verbesserter Abtransport von Stoffwechselprodukten und Krankheitserregern.
Nebenwirkungen des Tapings
Kinesiologisches Taping keine Nebenwirkungen. Im schlimmsten Fall bewirkt es nichts.
Alelrdings kann es zu Hautreaktionen wie Rötungen oder Irritationen kommen, die jedoch in der Regel vorübergehend und harmlos sind.
Möchte man diese vermeiden oder bestehen Zweifel an der Verträglichkeit, kann man vor der Anlage des tatsächlichen Tapes einem kleinen Streifen aufkleben und über einige Tage beobachten, ob der Athlet das Tape verträgt.
Taping Techniken
Muskeltechnik
Tapes der Muskeltechnik wirken auf einen oder mehrere Muskel(n) ein, indem sie den Tonus (also dessen Spannung) beeinflussen.
- Es wird geringer bis gar kein Stretch auf das Tape gegeben.
- Die Basen werden in Neutralstellung des Muskels geklebt.
- Muskeltapes werden in der Regel auf dem Muskelbauch angelegt.
- Der Zielmuskel muss bei der Anlage möglichst maximal vorgedehnt sein. Dabei ist auf mögliche Bewegungseinschränkungen und das Schmerzempfinden des Athleten zu achten.
- Ist die Beweglichkeit des Athleten eingeschränkt, kann auf die mangelnde Vordehnung mit stärkerem Stretch bei der Anlage reagiert werden.
- Sie kann bei muskulären Dysbalancen, Schwächen oder Verspannungen eingesetzt werden.
Ligamenttechnik
Die Ligamenttechnik zielt darauf ab, Gelenke und Bänder zu stabilisieren und zu entlasten. Dies dient vor allem der Unterstützung und Stabilisierung und dadurch der Erhöhung der Belastbarkeit.
- Die zu behandelnden Gelenke/Bänder werden zunächst durch Dehnung auf Spannung gebracht.
- Das Tape wird entlang des Ligaments - je nach Anforderung - mit leichtem bis maximalem Zug aufgebracht.
- Zur Entlastung ganzer Areale (z.B. bei unspezifischen Schmerzen im LWS-Bereich) kann die Ligamenttechnik auch en-bloc (in Form eines Kreuzes oder Sterns) verwendet werden.
Faszientechnik
Tapes in der Faszientechnik wirken auf das faszialen Gewebes, um eine Verbesserung der Gewebsmobilität, die Lösung von Verklebungen und eine Schmerzreduktion zu erreichen.
- Das betroffene Areal befindet sich in Ruheposition.
- Der Bereich mit den Beschwerden oder Einschränkunge liegt zwischen den Y-Schenkeln des Tapes.
- "Die Schenkel des Y-Schnitts werden pulsierend mit moderatem bis maximalem Zug auf die Haut aufgebracht."
Korrekturtechnik
Die Korrekturtechnik ist eine Taping-Technik, bei der gezielt auf sowohl Muskeln als auch Gelenke und Bänder eingewirkt wird, um funktionelle Fehlstellungen, Koordinationsprobleme, Fehlbewegungen und Blockaden positiv zu beeinflussen.
- Die Basen werden ohne Zug aufgebracht.
- Die Schenkel des Tapes werden - je nach Anforderung - mit leichtem bis maximalem Zug in Richtung der gewünschten Korrektur aufgebracht.
Lymphtechnik
Nach der Lymphtechnik geklebte Tapes erfolgt entlang der Lymphbahnen und die der Anregung und Unterstützung des Lymphflusses.
- Die Basis wird ohne Zug an, den zu behandelnden Bereich nächstgelegenen Lymphknoten, angelegt.
- Die Schenkel werden mit leichten Zug wellenförmig über das zu behandelnde Areal angelegt. Dadurch soll eine möglichst große Fläche vom Tape erfasst werden.
- Die Zügel dürfen sich je nach Anatomie des Areals und des Athleten auch kreuzen.
Quellen
- Strüder, H. K., Jonath, U. & Scholz, K. Leichtathletik: Trainings- und Bewegungswissenschaft - Theorie und Praxis aller Disziplinen. (Sportverlag Strauß, Hellenthal, 2017).
- Katzenbogner, H., Killing, W., Fröhlich, N., Ullrich, D. & Müller, F. Kinderleichtathletik: Altersklassen U8-U12: Rahmentrainingsplan des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. (Philippka Sportverlag, Münster, 2018)
- 1. Walker, B. Anatomie des Stretchings: Mit der richtigen Dehnung zu mehr Beweglichkeit. (Riva Verl, München, 2012).
- Pauls, J. Das große Buch vom Krafttraining. (Copress Sport, München, 2011).
- 1. Langendoen, J. Taping im Sport: Soforthilfe bei Schmerzen und Verletzungen. (TRIAS, Stuttgart, 2014).